Einer meiner Lieblings-Krimi-Charaktere, Hieronymus “Harry” Bosch, landet im Laufe seiner Karriere in der Abteilung Open-Unsolved des LAPD, das sind die “Cold Case”-Spezialisten, die sich alte ungelöste Fälle erneut vornehmen, besonders nachdem forensische Beweise wie DNS-Analysen neue Hinweise liefern können.
Open-Unsolved, der Begriff geistert mir schon länger im Kopf herum. Open-unsolved, das sind so viele Dinge mit denen man sich im Leben rumschlägt, die kleinen Peinlichkeiten, die großen Verletzungen, die Fragen die man nie gestellt hat oder auf die man nie eine Antwort bekam, die Fragen, auf die es vielleicht auch keine gibt… und manchmal tauchen Dinge aus den Abgründen dessen auf was ich als “psychisches Wiederkäuen” bezeichne, und mogeln sich zwischen die schon lange offenen Fälle…
Open-unsolved ist für mich auf jeden Fall das Thema meiner gescheiterten Ehe, und auf meiner Zieleliste für das kommende Jahr steht, mit diesem Thema endlich in irgendeiner Form abzuschließen, soweit das denn möglich ist.
Open-unsolved ist aber auch die Frage wie es mit mir und meinem Leben weitergeht. Vielleicht ist es ohnehin die perfekte Metapher für das, was das Leben an sich ausmacht.
Ich bin ausnahmsweise sehr optimistisch in 2008 gestartet, das ist sonst gar nicht so mein Stil – irgend etwas sagt(e) mir, dass es ein gutes Jahr werden wird, ein Jahr der Weichenstellungen, ein Jahr in dem ich Dinge erreiche auf die ich schon länger hinarbeite, eben auch einige open-unsolved Fälle zu den Akten legen kann. Heute ist Tag 3 dieses Jahres und ich möchte mir am liebsten einen Strick nehmen und aus meinem Leben einen closed-unsolved Fall machen.
Fangen wir mal mit den offensichtlichen, weil physischen Sachen an. Ich habe an meinem Körper in den letzten Monaten und Jahren Raubbau betrieben und das beginnt sich an vielen Stellen und diversen Symptomen langsam zu zeigen – und zu rächen. Ich muss was tun, allerdings habe ich mir auch geschworen, mich 2008 nicht von der Diätmentalität bestimmen zu lassen, sondern den Impulsen meines Körpers zu folgen, egal wo sie mich hinführen. Aber, Psyche und Physiologie sind untrennbar, umso mehr als auch noch die weiblichen Hormone in die Gleichung pfuschen, geht’s mir seelisch mies geht’s auch dem Körper mies (wer das nicht glaubt lese mal die Biographie von Horst Lichter).
Heute haben mir diverse Nachrichten und Überlegungen zum Status des Seins in Deutschland (wie in meinem Leben) im Wortsinn den Appetit verhagelt. Mir ist speiübel und ich will einfach nur weg. Ganz weit weg, am besten vorgestern. Aber wohin? Überall anders ist es auch nicht besser (wenn auch gegebenenfalls wärmer). Und wovon leben? Die Kälte nervt zusätzlich, bei dem Gedanken an die kommende Heizkostenabrechnung würde mir übel wenn mir nicht eh schon schlecht wär.
Mein stärkster Impuls ist gerade, mir einen Stapel Bücher zu schnappen und irgendwo in ein Apartment oder Zimmerchen an die See zu entfleuchen, am liebsten mit einer Kiste Wein – allerdings wäre ein Paket Kräutertee wohl geschickter. Wenn ich nicht in 12 Tagen einen Verlagstermin hätte, würde ich das vielleicht machen. Wenn ich T. mitnehmen könnte würde ich es vielleicht trotzdem machen.
Ach verdammt. Und das Jahr hatte so gut angefangen.



