Je mehr ich mich (wieder) mit alternativen Heilmethoden befasse, um so deutlicher wird für mich dass in unserem System der Wurm drin ist. Und das beginnt, so bitter das auch ist, beim einzelnen. Wir benehmen uns wie Kinder, die gläubig ihre Götter in Weiß anbeten und sich sagen lassen welche Ablaßhandel sie einzugehen haben, um gesund zu werden. Das schließt mich mit ein. Neulich sagte eine Freundin zu mir, es sei kein Wunder dass ich mich seit Jahren mit einer nicht ausheilenden Entzündung plage, so verkrampft wie ich sei. Und sie hat recht.
Ich habe begriffen das ich loslassen muss. Weg von den Ideen kommen muss, die ich quasi mit der Muttermilch eingesogen habe – darüber, wie Medizin und Heilung funktioniert, aber auch darüber, wer und was ich bin und sein kann. Ich muß mich verabschieden von liebgewonnenen Selbstbildern, die einfach weltfremd sind. Von Träumen und Illusionen, von Ängsten, von einem inneren Zwang. Von der Vorstellung, alles erreichen zu können… nur wie ich das anfangen soll, das weiss ich immer noch nicht…
Ich muss so vieles noch loslassen und verarbeiten. Meine Scheidung die mir immer noch zentnerschwer auf der Seele liegt zum Beispiel. Die Katastrophen vergangener Jobs. Meine Soziophobie…
Ich sei eine Perfektionistin. Das habe ich immer weit von mir gewiesen. Aber stimmt es nicht? Ich stelle an mich Anforderungen, die ich schlicht nicht erfüllen kann. Ich muss lernen zu akzeptieren dass ich es nicht kann* no matter how hard I try. Das ist glaube ich der härteste Batzen – weil ich so verzweifelt *will*. Ich muss akzeptieren dass ich für dieses Leben nicht tauge, auch wenn ich noch so verzweifelt hinein passen möchte. Aber das passt nicht zum zen-mässigen Loslassen. Die Erleuchtung kommt wenn sie will, nicht wenn ich will.
Auch Loslassen funktioniert nicht mit Try Harder und ich komme mir vor wie in einer der klassischen Double-Bind-Situationen… Du könntest Christ sein wenn Du nur fest genug glauben würdets, aber wie mache ich das? Du könntest eine erfolgreiche Autorin sein wenn Du nur den Arsch hochbekämst, aber wie mache ich das? Du könntest ein ganz normales Leben führen wenn…
I fail. I lose.
Um mich herum machen Menschen Diplome, Doktortitel, schließen ihr Studium ab. Ich schaue auf ein verkorkstes Leben ohne Perspektiven und weiß nicht mehr weiter. Vielleicht bedeutet Loslassen auch, einzusehen dass ich zu nichts tauge. Das Leben loszulassen…




30. November 2008 um 12:03
‘Ich muss akzeptieren dass ich für dieses Leben nichts tauge’ -
dieser Satz steckt voller Selbsthass.
vielleicht liegen deine wahren Fähigkeiten auf einem ganz anderen Gebiet als du bisher vermutet hast.