Nur ein toter Patient ist ein guter Patient

14. Juni 2004

Freitag hab ich es also geschafft. The dreaded one. Der Besuch beim Neurologen/Psychiater. Verdammich. Sind Ärzte nicht dazu da einem zu helfen?

„Ihre trübe Stimmung überschattet vermutlich alles.“ „Sie wirken gar nicht wie ein ADS-Patient auf mich.“ Kennen wir nur Hypies? Der Schreibtisch von Herrn Doktor und sein gesamtes Büro sehen ja aus als wüsste er von was er redet. Dummerweise habe ich das Gefühl als Patient ein Störfaktor zu sein. Besonders als Patient der Depressionen hat, darum weiss, und sich ziemlich sicher ist ADS zu haben. Schlauer als Herr Doktor, das geht schon mal gar nicht. Aus den alles überschattenden Depris zu schliessen, dass da vielleicht was passieren müsste, auf diesen Trichter muss ich ihn auch selbst bringen. Und dann kommts. Drückt mir die Schachtel Citalopram in die Hand. Davon soll ich 1/2 am Tag nehmen, entspricht 20 mg. „Das wirkt aber frühestens in zwei Wochen.“ Und zum ADS-Screening soll ich sie zwei Tage vorher absetzen. Ach ja und einen Termin für in 8 Wochen zum Screening machen.

Hallo?
Hallo, Patient an Realität?

Ich erkundige mich, ob das Medikament auf den Blutdruck wirkt. „Auf gar keinen Fall.“ Komisch nur dass ich bei MedHealth nachlesen kann, dass Hypotension zu den häufigen (frequent) Nebenwirkungen gehört. Super. Ich hab ja nur chronisch niedrigen Blutdruck.

Eine gute Freundin bringt mich drauf, dass Psychopharmaka ein- und wieder ausgeschlichen werden sollen. Wieso sagt der Held davon nix? Wie stellt der sich das vor, innerhalb von zwei Tagen – nach allem was im Web zu finden ist sind die Entzugserscheinungen bei SSRI-Antidepressiva nicht ohne – mal eben das Zeug abzusetzen?

Ich fühle mich verarscht, oder vielmehr nicht wirklich ernstgenommen. Durchgeschleust, abgehandelt. Egal. Von einem Psychiater hätte ich einen verantwortungsbewussteren Umgang mit seinen Patienten erwartet. Dosiskontrolle? Hilfsangebote bei zu erwartenden Rebounds? Überhaupt eine *Spur* Interesse für den Patienten? Fehlanzeige.

Wenn ich nicht dieses verfluchte ADS-Screening bräuchte, würde ich mir wen anders suchen. Nun, notfalls ist das der letzte Ausweg. Bis dahin werde ich die Sache und vor allem das mit den Medis und Nebenwirkungen genauestens beobachten. Deswegen auch dieses Blog, wenns danebengeht will ich es für mich transparent dokumentieren, nicht blind in eine pharmakologische Katastrophe rennen.

Verdammt. Warum ist das nur so kompliziert…

Eine Antwort zu “Nur ein toter Patient ist ein guter Patient”

  1. Antje Falke Sagt:

    Hallo, ich bin Mutter einer 11 jährigen ADHS´lerin, Folgeerkrankungen sind Angststörungen, Borderline, Dyskalkulie und Aggressionen (verletzt oft andere).Bin alleinerziehend, berufstätig als Lehrerin (24 Erstklässler) und habe keine Hilfe durch Behörden und Ämter. Meine Tochter ist mittlerweile im Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit 70% und B-Eintrag. Hatte vor kurzem Burn-out, danach Kur und zu Hause eine schlimme Deppression. Bin zum Arzt (Psychiater) und wollte Hilfe. Der hat mich weggeschickt und gesagt, ohne Termin gehe nichts und ein Notfall wäre ich nicht. In diesem System hilft dir keine Sau, nur du kannst dir selber helfen. Bin wieder bei AL-Anon gelandet (Angehörigen-Gruppe von Alkoholikern), setze für das Wort Alkoholismus ADS/ADHS ein und das Programm und die Schritte können helfen.
    Am besten auswandern aus diesem tollen Gesundheitssystem und dem Land, das für Kranke und Kinder nicht, aber auch gar nichts übrig hat. Ich wünsche allen Politikern Gesundheit an Leib und Seele!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Liebe Grüße und Ohren steif halten! Antje


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